Interview with Nightwish 44

Source: Entry Magazin

Nightwish - Legenden aus dem hohen Norden

Die skandinavische Gothrock-Szene ist um eine erwähnenswerten Akt reicher, und da konnten wir es uns natürlich nicht nehmen lassen, bei NIGHTWISH in Finnland anzuklopfen und uns ein paar Backgroundinfos in die Feder diktieren zu lassen. Was mir Sänger Tuomas zu sagen hatte? Lest selbst...

E: Wenn man Eure Biographie liest, dann scheint es so, als wärt Ihr nicht die typische Rockband, die den ganzen Tag im Proberaum abhängt und Gigs in örtlichen Clubs spielt. Wie sieht denn ein normaler Tag im Leben eines NIGHTWISH-Mitglieds aus? Was macht Ihr so nebenher? Und wann und wie probt Ihr zusammen?

NW: Im Moment sind wir eine sehr auseinandergerissene Band, denn Emppu (Gitare / Bass) ist momentan beim Militär und Tarja (Gesang), Jukka (Schlagwerkzeuge) und ich leben in verschiedenen finnischen Orten. Jukka ist mit seiner täglichen Hölle in der Armee auch gerade erst fertig, Tarja studiert an der Sibelius-Akademie und übt dafür, den ganzen Sommer auf dem Savonlinna Opern-Festival zu singen, und ich habe aufgehört, Umweltwissenschaft an der Uni zu studieren. Momentan arbeite ich als Ersatzlehrer hier an einer Schule; das mache ich, um mehr für NIGHTWISH zu arbeiten, und die Zeit hätte ich nicht, wenn ich ernsthaft studieren würde. Wir können also nur sporadisch üben oder Konzerte spielen, was wirklich ätzend ist. Deshalb haben wir uns entschieden, von August an nichts anderes als NIGHTWISH zu machen und vielleicht nebenbei etwas zu jobben. Wir sind alle extrem motiviert und wollen für diese Band alles geben, wenn wir die Möglichkeit haben.


E: Ihr würdet also Euer momentanes Leben völlig NIGHTWISH opfern?

NW: Ja, für eine gewisse Zeit wollen wir alle für NIGHTWISH leben und es als Vollzeitjob betrachten; vielleicht ein Jahr, vielleicht fünf. Aber wir haben alle andere Pläne für die Zukunft und wollen das nicht unser ganzes Leben machen.


E: Seit Ihr alle immer schon Freunde gewesen, oder seit Ihr nur aus musikalischen Gründen zusammen gekommen?


NW: Wir haben eine lange gemeinsame Vergangenheit. Vor allem Emppu und Jukka kennen sich schon seit ihrer Geburt, und ich kenne sie jetzt seit fünf Jahren. Und Tarja ist auch eine alte Mitschülerin von uns.


E: Wie alt seit Ihr denn eigentlich? Auf dem Backcoverfoto seht Ihr alle recht jung aus...


NW: Emppu und Jukka sind 19, Tarja ist 20 und ich bin 21.


E: Das Auffallendste an NIGHTWISH ist wohl, zumindest für mich, Tarjas Stimme. Siehst Du das auch so? Hat sie professionellen Gesangsunterricht bekommen, oder ist sie ein Naturtalent?


NW: Beides. Natürlich ist sie ein Naturtalent, aber zusätzlich hat sie auch Gesangsunterricht. Im Moment ist sie wie gesagt seit einem Jahr an einer Akademie und will sich auf Operngesang spezialisieren. Das ist ihre absolute Leidenschaft.


E: Die Texte auf "Angels fall first" basieren oft auf Mythen und behandeln romantische Themen. Ist das ein Erbe Eurer Ursprünge? Inspiriert vielleicht ein Land wie Finnland solche Themen ganz besonders?


NW: Ich glaube schon, daß das alles etwas mit unserem Erbe zu tun hat. Finnland hat eine alte Tradition romantischer Themen und mythologischer Aspekte, die ich sehr faszinierend finde. Es ist das Land der Wälder, der tausend Seen und der Felsen, und ich empfinde mich als sehr stark bezogen auf diese Ursprünge und die Natur dieses schönen Landes.


E: Ihr habt ja auch einen Song über Lappland geschrieben. Was genau bedeutet denn Finnland für Euch?


NW: Ich liebe dieses Land sehr, und, wie ich schon sagte, seine Natur. Vielleicht liegt das daran, daß ich mein ganzes Leben auf dem Land inmitten von Wäldern und Seen gelebt habe; deshalb ist das alles für mich ganz natürlich. Lappland ist eine meiner vielen Leidenschaften und es ist der ehrfurchtgebietendste und magische Platz, an dem ich jemals war, und deshalb war es ein Muß, ihn in eine musikalische Form zu bringen.


E: Was denkst Du denn generell, wie wichtig der Ursprung eines Menschen, also Land, Familie usw., für seine Entwicklung ist, für die Art, wie er sich ausdrückt, z.B. in Kunst, Musik, Literatur etc.?


NW: Ich denke, daß das der wichtigste Teil der Identität eines Menschen ist. Alles fängt damit an, wo wir geboren werden und wie wir als Kinder erzogen werden. Wenn man z.B. Musik macht, dann ist das, neben anderen Dingen, die Schaffung der eigenen Identität und seines Platzes auf der Welt. Und, als anderes Beispiel, haben wir solche Ursprünge, daß wir uns nicht als die Heiler der dem Untergang geweihten Welt aufführen müssen und auch nicht über düstere Sachen singen müssen. Wir lieben es einfach, diese Art von Musik zu machen und über Mythen, Natur, Romanzen usw. zu singen. Diese Themen spiegeln wirklich unsere Wurzeln wider.


E: Bist Du denn auch privat an Themen wie Elfen, Engeln usw. interessiert?


NW: Na klar! Fantasy-Literatur, religiöse und mythologische Texte, Märchen und so ein Zeug sind meine ganze Leidenschaft, und mein alltägliches Leben geht damit Hand in Hand.


E: Habt Ihr keine Angst, daß Ihr, wenn Ihr über solche Themen singt, die Realität und Modernität vergeßt? Oder wollt Ihr gerade das erreichen; eine Art Gegenwelt schaffen?


NW: Ja, wir wollen neue Welten schaffen und die ehren, die bereits geschaffen wurden. Ich empfinde die Realität und Modernität oft als unerträglich drückend, voller Leid und zu vieler Menschen - wer tut das nicht? Deshalb ist es ein Teil der Musik von NIGHTWISH, die Realität zum Verschwinden zu bringen. Es ist schrecklich, wenn wir die Realität und die heutige Welt nicht wenigstens für eine Weil vergessen.


E: Denkst Du, daß Musik (bildende Kunst, Literatur) den Menschen eher die Chance geben sollte, eine Ruhepause von ihren gewöhnlichen Menschen zu sein, oder sollte sie das Gegenteil tun und sie auf ihre speziellen Probleme und die generellen Probleme der Welt aufmerksam machen?


NW: Ich denke, sie sollte beides tun. Der Künstler selbst weiß am besten, was "sein/ihr Ding" ist. Natürlich kann ein Künstler den Menschen beides anbieten. NIGHTWISH's Ding ist es mehr, den Leuten eine Ruhepause zu gönnen, aber es gibt auch ernstere Themen, z.B. in "The Carpenter" und "Angels fall first".


E: Was die Texte betrifft, sticht ja auch "Nymphomaniac Fantasia" etwas aus dem Rest heraus. Was war dafür die Inspiration? Persönliche Erfahrung, oder denkst Du, daß das der Traum eines jeden Mannes ist, oder was?


NW: Was den Song betrifft, habe ich nur wenige Entschuldigungen. Ich habe immer gefühlt, daß Unendlichkeit und Unloyalität eine der schlimmsten Sünden sind, die die Menschheit geschaffen hat, und diese Dinge machen mich böse und traurig. Also wollte ich diese Gefühle wieder in einer musikalischen Form ausdrücken. Aber das Resultat ist eher lustig geworden. Text und Musik arbeiten nicht, wie sie sie es sollten, aber die Sprache am Ende des Songs ist immer gut für ein Lachen - auch, wenn ich das gar nicht beabsichtigt hatte.


E: Ich habe gehört, daß Emppu und Jukka "zum Militär gezwungen" wurden. Könnt Ihr nicht ein soziales Jahr anstelle des Militärdienstes machen? Wie ist es denn überhaupt um das politische System in Finnland bestellt? Von Mitteleuropa aus gesehen scheint es oft so, als wenn die Welt in Nordeuropa noch in Ordnung wäre...


NW: Doch, wir können auch ein soziales Jahr machen, aber es dauert über fünf Monate länger. Deshalb haben die beiden sich entschieden, mehr, aber kürzer zu leiden. Ich selbst war vor anderthalb Jahren beim Militär und habe meine Zeit damit verbracht, in einer Militärband Klarinette, mein Hauptinstrument, zu spielen. Über das politische System hier in Finnland habe ich nicht allzuviel zu sagen, denn ich kenne mich da nicht aus, sorry. Aber wir haben auf jeden Fall große Staatsschulden und zu viele Arbeitslose...


E: Ihr kommt ja voraussichtlich im Herbst auch nach Deutschland. Wird das für Konzerte sein, oder nur für Promotion? Und denkst Du, daß dann auch Euer zweites Album schon fertig sein wird?


NW: Wir planen, im Oktober/November in Deutschland zu touren. Also für Konzerte, und wenn wir dann das zweite Album fertig haben sollten, werden wir auch Promotion machen. Ins Studio werden wir jedenfalls Ende Juli gehen.


E: Wo ich schon das zweite Album erwähnt habe: Denkst Du, daß sich Wesentliches ändern wird, daß es neue Aspekte geben wird, oder werdet Ihr einfach Euer gegenwärtiges Konzept zu mehr Perfektion hin entwickeln?


NW: Ich denke, daß das zweite NIGHTWISH-Album gründlicher und erwachsener sein wird. Die Songs werden vielleicht etwas heavier, schneller und technischer, aber immer noch sehr atmosphärisch, melodisch und majestätisch. Und außerdem wollen wir auch einen Cover-Song machen.


E: O.K., normalerweise gebe ich meinen Interviewpartnern das letzte Wort. Also: Hast Du noch etwas, das Du gerne sagen würdest?


NW: Danke für das Interview, es hat mir viel Spaß gemacht. Wir hoffen, daß die Leser unsere Anstrengung gut und erfüllend finden. Paßt auf Euch auf, und vielleicht sehen wir uns ja auf einem Konzert!


Tja, dann mal vielen Dank an alle Beteiligten, also an Tuomas und Iris von Focusion!!!


J.K.


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