Intervju med Tarja

Source: Metal Message

 

 

 

 

 

Düstere Eleganz

 

 

Über den mutigen musikalischen Neuanfang dieser stimmlich so begabten skandinavischen Berühmtheit konnten sich Interessierte bereits mittels meiner letzten Berichterstattung dazu vorab über die wichtigsten Randdetails informieren. Denn große Ereignisse werfen ihre Schatten bekanntlich entsprechend voraus – und die weltberühmte 29jährige Tarja Turunen, einst stimmlich maßgeblich beteiligt am Riesenerfolg der Gothic Metal-Galionsfiguren Nightwish, hat gegenwärtig wahrlich nicht minder Großes vor. Der hochsympathische finnische Exportschlager hatte zum Interviewzeitpunkt gegen Ende November die umfangreichen Arbeiten an ihrem Solodebütalbum „My Winterstorm“ längst abgeschlossen. Mittels der ersten Single „I Walk Alone“ bewahrheitete sich auch gleich die gemachte Vorankündigung der hochattraktiven Vokalistin, dass ihre neue anspruchsvolle Liederwelt in einem gleichfalls opulent-bombastisch angelegten wie auch betont emotional strukturierten Klangkosmos kreist. Vom bisher mittels Nightwish langjährig gewohnten schwermetallischen Erscheinungsbild hat sie sich ganz bewusst überwiegend verabschiedet, denn als primär ausgesprochene Klassikliebhaberin befand Tarja es an der Zeit, zu neuen kreativen Horizonten aufzuschließen. Somit können sich passionierte und vorrangig ästhetisch veranlagte Anhänger von massiv klassisch inspirierten und betont episch-dramatisch zelebrierten Sopran-Darbietungen riesig freuen – nämlich auf ein operettenhaftes und orchestral arrangiertes Hörerlebnis, in welches auch mannigfaltige Rock- und Metal-Facetten eingeschliffen wurden. Dass die neue Plattenfirma der Künstlerin, ein breit etabliertes Majorlabel, bereits eine – in diesem stilistischen Bereich doch eher seltene – TV-Werbung für das aktuelle Debütalbum geschaltet hat, beweist den Fakt der hohen medialen Relevanz des Tonträger-Produktes. In selbem Maße werden damit aber auch hohe Erwartungen in den Reihen ihrer Fans geschürt – Erwartungen, welchen Tarja selbst inmitten ihrer neuen Imagekampagne laut eigener Aussage in hohem Maße neugierig gegenübersteht.

 

In ihrem gegenwärtigen Aufenthaltsort im argentinischen Buenos Aires, seit einiger Zeit Tarja´s Wahlheimat, genießt sie den vormittäglichen wärmenden Sonnenschein – und berichtet mir gut gelaunt, dabei erfrischend herzlich lachend: „Gegenwärtig bin ich sehr entspannt, was mir wirklich gut tut – denn die Anstrengungen der Aufnahmen zu meinem neuen Soloalbum haben mich teilweise schon sehr geschlaucht. Diese Veröffentlichung ist schließlich nicht nur mein totaler Neubeginn als Sängerin, sondern gleichzeitig auch eine musikalische Angelegenheit für Leute mit Charakter und Herz.“

 

Von daher legte die Sopranistin besonders großen Wert darauf, dass die Produktion der Lieder entsprechend feinklanglich wird, um die emotionalen Komponenten bestmöglich zu repräsentieren, wie sie offenbart: „Ich hoffe ständig sehr, dass die Welt da draußen meine Kompositionen genauso tiefgründig und niveauvoll empfindet, so wie ich mit immensem Tiefgang an meinen Songs gearbeitet habe.“

 

 

Eines steht dabei jedenfalls felsenfest: Die bisherige als auch die neu hinzukommende Hörerklientel wird einige positive Überraschungen erleben, denn die Finnin legt Wert auf Weiterentwicklung. Stagnation ist ihr ein Graus, wie sie den Autor wissen lässt. An umtriebigen und vielfältigen Werbeaktivitäten lässt es die Sängerin persönlich daher auch nicht mangeln. „Derzeit komme ich ganz schön herum in der Welt“, freut sich Tarja erzählen zu können, „denn Univeral Music schickt mich beinahe über den ganzen Globus, um Promotion zu machen, allerlei Pressekonferenzen sowie Interviews zu geben etc. Das ist für mich immer wieder genauso anstrengend wie schön, denn meine Fans samt ihrer riesengroßen anhaltenden Begeisterung sind mir solcherlei Mühen immer wieder vollauf wert. Schließlich liebe ich das, was ich da tue, noch immer aus vollstem Herzen und Bewusstsein heraus. Gestern beispielsweise hatte ich hier in Buenos Aires ein angenehmes Abendessen mit einigen Gewinnern eines speziellen Tarja-Wettbewerbs – was sich auch schon in Spanien so vollzog. Eine tolle Sache. Gerade mit den Fans aus Argentinien hatte ich bisher so eng noch keinen Kontakt, und ich muss sagen, diese Menschen sind schon sehr leidenschaftliche Gemüter – sie hören Musik nicht nur, wie ich bemerkt habe, nein, sie können sie auch mit Leidenschaft lieben.“

 

Und die feurigen Argentinier unter den Tarja-Anhängern haben sogar überhaupt keine Scheu, sich in die Gestaltung der Lieder ihres Idols möglichst konstruktiv einzubringen, so Tarja. „Das machen die eben, so gut es ihnen über die modernen Medien möglich ist. Für argentinische Fans ist das wohl völlig normal. Mir gefällt diese Art der inniglichen Anteilnahme sehr gut.“ Gerade Letzteres ist vielen Musikkonsumenten in Europa aufgrund der massiven Übersättigung aus diesem stilistischen Bereich leider abhanden gekommen, darin waren wir uns einstimmig einig. Im emotional eher gedämpft zugehenden Europa mag solcherlei frenetisches Gebaren daher eher ungewöhnlich anmuten, denn hier wird überwiegend entweder überspitzt trendgerecht zugejubelt oder notorisch gemeckert bis verleumderisch gehetzt.

 

Die sensible Tarja, in dieser Beziehung eine erfahrene Persönlichkeit, freut sich darum einmal mehr: „Ich finde es einfach großartig, durch meine Berühmtheit in der Lage zu sein, meinen vielen aufgeschlossenen Hörern stets so nahe sein zu können – und in zahlreichen Gesprächen ihre Freude an beziehungsweise ihre speziellen Meinungen zu meiner Musik an sich erfahren zu können. Das bestärkt mich jedes Mal so sehr, denn die Musikpresse ist ja nicht immer ganz so ehrlich in den Motiven der Berichterstattung. Ich höre die Ansichten der Leute über meine Arbeit daher am allerliebsten persönlich aus den mitteilungsfreudigen Mündern der eigentlichen Fans.“

 

Ihre vielen eingeschlagenen Wege führten die ausgebildete Sopranistin somit beispielsweise nach Großbritannien, genauer gesagt nach Newcastle beziehungsweise in die Hauptstadt des Königreiches, also nach London. Sie erinnert sich nur zu gerne zurück: „Dort gefiel es mir wirklich sehr gut, ich liebe diesen Teil der Erde sehr. Auch war ich mit Nightwish schon dort zugegen, so mutete es für mich an manchen Plätzen oftmals wie ein Wiedersehen voller erweckter angenehmer Erinnerungen an. Das Interesse der Leute dort an mir ist in den letzten Jahren wirklich enorm angewachsen, was mich als Künstlerin immens zu erfreuen weiß.“

 

Anschließend gibt Tarja jedoch auch unumwunden mit einem Lächeln auf den Lippen zu, dass sie vor solcherlei wiederholten Gegenüberstellungen, insbesondere denen mit der enthusiastischen Fan-Basis, jedes Mal aufs Neue hochnervös ist. Bei Konzerten verhält es sich auch nicht anders. So war dazu noch gleichfalls Interessantes wie Menschliches in Erfahrung zu bringen: „Ich bin eine gleichfalls seriöse wie so realistisch als möglich denkende Person mit nicht wenigen hohen Ansprüchen – allein schon von daher möchte ich immer alles so professionell wie nur irgend machbar abwickeln beziehungsweise erledigen. Und ganz egal, ob ich mich als Künstlerin nun einem Riesenpublikum oder einem Fan oder Journalisten offenbare, es handelt sich dabei immer um Menschen – Menschen, die mich dabei schon aus reiner Neugier heraus ganz genau beobachten und mich daraus resultierend in ganz individueller Erinnerung behalten werden. Das ist mir vollauf bewusst. Ich möchte diese ganz bestimmte Art der Nervosität ehrlich gesagt aber auch gar nicht ablegen beziehungsweise verlieren, denn so laufe ich meiner Ansicht nach am wenigsten Gefahr, jemals arrogante, selbstherrliche oder gar anmaßende Charakterzüge zu bekommen. Manchmal wurde mir ja eine gewisse Arroganz nachgesagt, was ich aber überhaupt nicht nachvollziehen kann. Ich meine, wenn ich jemanden – noch – nicht ausreichend gut kenne beziehungsweise als Mensch einschätzen kann, ist es doch völlig normal, mit entsprechend höflicher Zurückhaltung zu interagieren. Besonders, wenn sich viele Fremde um mich herum aufhalten, gehe ich eher weniger aus mir heraus. Ich sehe dies aber wie gesagt als Selbstverständlichkeit an, über die man auch nicht allzu viele Worte und Erklärungen verlieren sollte. Wer damit nicht klarkommt, muss wohl selbst noch viel über das Leben und die Menschen lernen.“

 

Man kann ihr in diesem Punkt nur Recht geben. Was Tarja´s bislang aufgebautes Image als Künstlerin und Identifikationsfigur anbelangt, so lässt sie die Leser hier gerne tief blicken: „Niemand hat mir über die Jahre gesagt, wie ich mich nach außen hin als Person geben soll. Alles das, was ich heute bin beziehungsweise für was ich heute stehe, habe ich mir selbst aufgebaut. Viele Neider und Denunzianten beiderlei Geschlechts wollten mich immer mal wieder als überaus leicht beeinflussbares Püppchen darstellen, mit dem die Band Nightwish sowie deren Berater, Manager und sonstige zusätzliche Verantwortliche gerne machen was sie wollen. Doch so naiv bin ich natürlich nicht – sonst wäre ich in diesem harten Musikgeschäft ja gar nicht so weit gekommen, wie ich heute bin. Ich lebte stets mein eigenes Leben und meine eigenen Ansichten – und genau so hielt und halte ich es mit dem Singen. Und genau dies präsentiere ich in aktueller Vollendung auf meinem nagelneuen Album `My Winterstorm`. Wenn die Leute die fertige CD in ihren Händen halten, dann werden sie das Frontcover und das Booklet, also die ganze visuelle Umsetzung meiner künstlerischen Anliegen selbst sehen, während sie meine ureigene Musik dazu anhören – und das alles entspringt aus dem tiefsten Inneren und aus der ganzen Hingabe meines eigenen Herzens. Das Ganze ist meine eigene künstlerische Wahrheit, genau so sehe ich mich im Moment selbst. `My Winterstorm` ist sozusagen der Spiegel meiner Persönlichkeit – meiner Sehnsüchte, Ängste und sämtlicher artverwandter Empfindungen. Ob und wie gut dies freilich letztendlich bei den Käufern und Hörern ankommt, darauf kann ich momentan nur hoffend warten.“

Sie resümiert: „Viele Leute traten in der Zeit vor dem Kompositionsprozess zu `My Winterstorm` immer wieder aufs Neue an mich heran und rieten mir eindringlich dazu, als Solodebüt doch endlich mal ein richtiges Heavy Metal-Album zu machen. Damit wäre mir als populäre Figur natürlich riesiger Erfolg geradezu vorprogrammiert worden. Ich entschied mich aus aufrichtigen Gründen jedoch dafür, viel lieber meinen eigenen Visionen zu folgen – heraus kam das aktuelle Ergebnis. Damit baue ich zwar bewusst auf ein nicht geringes Risiko, doch das ist mir allemal lieber als betriebsblind mannigfachen fremden Bestimmungen zu folgen.“

Doch das alles auch künftig genau so bleibt, wie es bei ihr derzeit ist, das kann und möchte die trainierte Sängerin nicht garantieren. „Obwohl ich absolut an das glaube, was ich als schöpferischer Geist gegenwärtig mache, behalte ich mir das Recht vor, mich in der Zukunft noch besser selbst zu finden beziehungsweise abermalig Neues auszuprobieren. Denn, wenn ich meine neue Platte mit den alten Nightwish-Sachen vergleiche, dann muss `My Winterstorm` genau genommen ja auch überwiegend als etwas Neuartiges eingestuft werden. Dennoch, im Moment und auch für einige kommende Zeit reflektiert das aktuelle Musikwerk all meine innersten Träume und all meine positiven Hoffnungen wie erwähnt die ganze Spieldauer hinweg mit 100%tiger Ganzheit. Und das macht mich glücklich, immer, wenn ich daran denke“, platzt es überraschend impulsiv aus der sich ansonsten überwiegend betont einfühlsam gebenden Person heraus.

 

Wie Tarja mit markant betontem, stimmlich beinahe vibrierendem Nachdruck anfügt, hat sie das von ihr gerade zuvor Geschilderte auch einen Großteil ihrer ganzen seelischen Kräfte gekostet. Den Mund der finnischen Sopranistin verlässt dazu erneut von Grund auf Ehrliches: „Ich musste für meine Verhältnisse wirklich unglaublich stark sein, um mich als schaffender Geist samt meinen kreativen Zielen nicht in Unergiebiges und Sinnloses zu verlieren. Und damit ich nicht gerade einen kurzen Zeitraum, nein, erst vor gar nicht allzu langer Zeit wurde ich sozusagen endgültiger triumphaler Sieger über mich selbst. Und das macht mich auch jetzt noch so oft zum glücklichsten Menschen auf diesem Planeten. Ich fragte mich damals ja oftmals selbst: `Wie machst du nun genau weiter?` Und nicht selten wusste ich mir darauf keine verwertbare Antwort. Doch ans Aufhören selbst dachte ich glücklicherweise nie, dafür ist meine Leidenschaft für Musik viel zu groß!“ Das glaubt man ihr als profunder Kenner ihrer bisherigen spitzenmäßigen Gesangsleistungen nur allzu gerne – denn für solcherlei Glanztaten muss man erfahrungsgemäß wirklich jahrelang hart an sich und seinen vokalistischen Fähigkeiten arbeiten.

 

Gerade nach der Trennung von Nightwish war dieser Zustand Kräfte zehrender Rückbesinnung und anschließender Selbstfindung sehr extrem ausgeprägt, so die nun im massiv angeregten Gespräch sehr erregte Tarja: „Somit war das Ganze aufgrund seiner Signifikanz natürlich auch sehr intensiv für mich spürbar – und so was vergisst man nicht. Als Mensch bin ich immens dankbar dafür, denn ich habe durch solcherlei Erfahrungen unschätzbare Lerneffekte für meine ohnehin gute Herzens- und Charakterbildung nutzen können.“

 

Und Letzteres kommt der finnischen Schönheit derzeit gerade recht – denn, wie sie eindeutig klarstellt, sieht sie ihre neue Musik als einen ersten Schritt zurück ins Musikgeschäft an. „Meine neuen Mitmusiker, die neue Plattenfirma und überhaupt jeder der aktuell Involvierten haben meine Wünsche und Ansichten bezüglich meiner neuen künstlerischen Direktive zu akzeptieren, darauf lege ich allergrößten Wert. Schließlich kommt wie zuvor verkündet alles tief aus meinem Herzen, von daher lasse ich mir auch künftig nicht dreinreden, welche Art von Songs ich mache. Man muss mich und meinen künstlerischen Horizont schon erschöpfend verstehen, wenn man mit mir konstruktiv zusammenarbeiten will. Zu meinem großen Glück ist dies gegenwärtig bei all meinen musikalischen Kooperativen der Fall. Nicht nur ich befinde mich also in einem ständigen Lernprozess, welcher mich schlauer macht, sondern auch meine gesamte zwischenmenschliche Umgebung. Ob das Ganze letztlich auch zum angestrebten großen Erfolg wird, werden wir ja erst noch sehen. Im Moment wäre es anmaßend, diesbezügliche Prognosen zu wagen. Wir haben uns vorgenommen, vernünftig zu bleiben und in Sachen Musikkarriere zusammen Stufe für Stufe zu beschreiten. Aber, mal ganz davon abgesehen: Ich könnte ohnehin keine Lieder zufrieden stellend einsingen, deren Art, Ausrichtung oder Stilistik mir nicht zusagt – denn meine Stimme funktioniert wirklich nur erwünscht perfekt, wenn ich mit vollem Elan und großer innerer Freude bei der Sache bin. Leute, die mich gut kennen, wissen sowieso um diesen äußerst relevanten Fakt.“

 

Daneben wird die skandinavische Sopranistin nicht müde, nach dem vorhergehenden Interview-Dialog einmal mehr darauf hinzuweisen, dass sie mit einem Fuß noch immer im Gothic Metal-Genre steht. Und das überaus gerne, wie zu vernehmen ist. „Mein anderes kreatives Standbein verweilt aber neuerdings mehr denn je in der Klassik. Und da ich mich auf musikalischem Sektor all die letzten Jahre so intensiv dem Gothic Metal-Metier hingegeben habe, ist mit dem Neustart auch eine Verlagerung zur klassischen Musik hin geschehen. Das eine habe ich also sozusagen zu meiner vollsten Zufriedenheit ausgefüllt und in gewisser Weise mein Diplom abgeschlossen – danach kann ich mich jetzt um das andere Betätigungsfeld kümmern, welches mir schon lange im Kopf herumgeht. Eine Vielzahl an Leuten und Fans haben mich immer wieder mit endlosen Fragereien gelöchert, wie sich das für mich wohl anfühlen möge, nach Nightwish im Alleingang weiterzumachen. Und da gab und gibt es für mich letztlich nur eine Antwort: Sehr gut, denn ich höre mehr und mehr auf die viel zitierten inneren Stimmen in mir, die wohl jeder Mensch in sich hat, welche mich dazu antreiben, jetzt endlich mein Innerstes vollends nach außen zu stülpen. Als Liebhaberin der alten zeitlosen Klassik-Meisterwerke gab es da für mich nur einen Weg, wie man sich wohl nur allzu leicht vorstellen kann. Das Allerwichtigste ist dabei aber auch, dass ich mir das alles auch wirklich zutraue. Hierbei vertraue ich der Kraft und Reinheit meiner Stimme. Und das gibt mir wiederum die nötige Kraft, auf solchen klassischen Pfaden zu wandeln. Doch will ich meine musikalischen Wurzeln dabei nicht gänzlich gekappt wissen, was für die epischen Gothic Metal-Parts in den neuen Liedern verantwortlich ist. Ich fühle mich damit rundum wohl. Und meine Fans stoße ich damit auch nicht vor den Kopf, insgesamt betrachte ich `My Winterstorm` als mein mögliches Optimum, als absolut runde Sache – als klaren Spiegel meiner Emotionen eben.“

Tarja ergänzt: „Von Anfang an gefiel mir das cineastisch anmutende Filmsoundtrack-Klangbild der Songs enorm gut, welches diese neuen Lieder zuweilen so immens machtvoll ummantelt. So etwas in der Art wollte ich schon immer mal machen, seitdem ich überhaupt professionell singe. Daher verfolgten ich und meine mir zur Seite stehenden Mitmusikanten genau dies mit allem Nachdruck. Und es hat sich vollauf gelohnt, wie ich finde.“

Sie legt gleich nach: „Denn all die hochopulenten, träumerischen und erhebend gigantischen Arrangements auf dem Album können die unzähligen epischen und düsteren Gefühlsstimmungen auf `My Winterstorm` mit ertragreicher Effizienz potenzieren. Perfekt. Ganz genau so habe ich mir das also von Anfang an auch vorgestellt – ich wollte das mögliche Maximum an ästhetischer orchestraler Noblesse um meinen Soprangesang herum haben. Genau diese entsprechend geschmackvoll austarierte Mischung entspricht meiner persönlichen Auffassung von düsterer Eleganz bestmöglich.“

 

Wie sich zu diesem Themenkontext im Weiteren herausstellt, liebt Tarja düstere, aber auch dunkle und vor allem majestätische Stimmungen noch immer sehr. Sie beginnt ihren Antwortsatz energisch mit einer Gegenfrage: „Wie könnte ich auch anders? All die Jahre habe ich die klassische Musik neben derjenigen von Nightwish immer gedanklich mit mir herumgetragen. Das eine hat wohl nicht zuletzt auch das andere bedingt. Ich schwärme inniglich für harsche und druckvolle Stimmungsmomente in episch-düsteren Liedern. Wenn Solcherlei in klangliche Schönheit verpackt ist, dann bringt mir das genussvolles Erleben. Und was das anbelangt, das wird sich auch garantiert niemals bei mir ändern, das ist schon viel zu lange viel zu tief in mir präsent. Ich würde sogar vorhersagen, dass diese Komponente sich in mir noch viel mehr ausbreiten wird. Ich fände das jedenfalls sehr reizvoll“, gerät sie nun in anhaltende Verzückung.

 

Dass ihre klangnobel umgesetzten Kompositionen beziehungsweise deren hochgradig niveauvolle Anmut auf dem neuen Studioalbum „My Winterstorm“ eigentlich doch eher für musikgeschmacklich geschulte Erwachsene denn für Heranwachsende geeignet scheinen, darüber hat sie auch schon nachgedacht, wie sie bekennt. Tarja wird jetzt merklich unruhig, dennoch kaschiert sie die prickelnde Dialogsituation sehr professionell mit schelmisch-gewitzter Stimme. Wir erfahren von der Finnin: „Das, was ich aktuell darbiete, ist wirklich schon sehr gefühlvoll. Für viele wahrscheinlich zu emotional. [lacht lauthals] Ich muss abwarten und bin schon sehr interessiert, wie die Hörer überhaupt mit soviel Gefühl umgehen können. Doch wir leben ja bekanntlich in einer schwierigen Zeit, in der für ehrliche Gefühle beinahe kein Platz in den Menschen mehr zu sein scheint – vielleicht sind mit viele Leute dankbar, sie mit meinem Debütalbum wieder an ihre Feinfühligkeiten erinnert zu haben. Ich kann es jedenfalls nur hoffen.“

 

Glücklicherweise hatte Tarja jüngst aber gar nicht allzu viel Zeit zur Verfügung, um sich in diesbezüglichen Gedankengängen zu verlieren, wie sie abschließend zu berichten weiß, weil die vielen und intensiven Vorbereitungen auf ihre kommenden Konzerte die finnische Sängerin sowieso mental mehr als ausreichend auf Trab halten. „Wenn ich daran denke, bin ich schon ungeheuer aufgeregt – ich kann das als eine Art Mischung aus Lampenfieber und hochfreudiger Erwartung beschreiben, was ich dafür empfinde. Gegenwärtig arbeite ich mit meinen Mitmusikern, dem Management und den Bühnenbildnern noch eine ganze Menge Details hinsichtlich der optischen Gestaltungsmöglichkeiten aus – wobei wir keinerlei Möglichkeiten aus- beziehungsweise unterlassen wollen, die neuen Lieder auf den Bühnenbrettern bestmöglich zu repräsentieren. Geplant ist irgendwann auch ein additionales Orchester, doch damit müssen wir leider noch warten – denn das hängt letztendlich alleinig vom Erfolg der neuen Platte ab. Vorstellen kann ich es mir jedoch schon jetzt, mit echter orchestraler Begleitmusik aufzutreten – damit würde sich für mich als neuerliche Solistin ein ebenso zauberhafter wie lange gehegter Traum erfüllen.“ Haargenau denselben Traum träumen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ganz bestimmt auch nicht wenige ihrer Fans, sodass beiden Seiten eine baldigst umfangreich angelegte Verwirklichung zu wünschen ist.

 

© Markus Eck

(29.10.2007)


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